Gezieltes Üben – Mündliche Prüfung 1. Staatsexamen

Lektion 1: Rechtsgeschichte

Typische Prüfungsfragen zur Rechtsgeschichte und den Grundlagen des Rechts sind hier aufgeführt:

Rechtsgeschichtliche Fragen dürften im Strafrecht eher selten sein.

Im öffentlichen Recht hingegen schon häufiger. Die Antwort auf rechtsgeschichtliche Fragen aus dem öffentlichen Recht sollten dem Prüfling noch aus dem Grundkurs Verfassungsgeschichte bekannt sein[1].

An dieser Stelle seien exemplarisch Fragen zur Entstehungsgeschichte des BGB aufgeführt, die sich besonders eignen ein Prüfungsgespräch im Zivilrecht einzuleiten[2]:

–             Wann ist das BGB in Kraft getreten?

Am 1.1.1900.

–             Wie heißen die ersten beiden Entwürfe des BGB?  Erläutern Sie grob die Entstehungsgeschichte des BGB.

Der erste Entwurf wurde 1888 mit Motiven veröffentlicht. Er wurde scherzhaft auch der kleine Windscheid genannt, da er maßgeblich vom Romanisten Prof. Windscheid geprägt wurde. Der zweite Entwurf wurde 1895 mit Protokollen veröffentlicht, nachdem Praktiker den ersten Entwurf überarbeitet hatten.

–             Was verbirgt sich hinter dem „Kodifikationsstreit“?

Der sog. Kodifikationsstreit wurde im späten 19. Jahrhundert zwischen Savigny und Thibaut geführt. Thibaut vertrat die Ansicht, dass das ein allgemeines bürgerliches Recht für Deutschland kodifiziert und das Recht im deutschen Rechtskreis vereinheitlicht werden müsse. Savigny trat dem entgegen. Er vertrat die Auffassung, dass das Recht auf elementare Rechtsgedanken zurückbezogen werden kann und eine organische Entwicklung nimmt und sah eine Kodifizierung in entfernter Zukunft.

–             Was ist unter der lex Miquel-Lasker zu verstehen?

Das Gesetz wurde nach den einreichenden Abgeordneten des Reichstages Miquel und Lasker benannt. Das verfassungsändernde Gesetz verlieh dem Reich die Gesetzgebungskompetenz auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts.

–             Wer kritisierte das BGB mit der Forderung nach einem „Tropfen sozialistischen Öls“?

Der damalige Minister bekannte Rechtswissenschaftler Otto v. Gierke forderte die Salbung des BGB mit einem „Tropfen sozialistischem Öls und prangerte den ersten Entwurf als lebensfremd, überromanistisch und „undeutsch“ an.

–             Welche Erfolgsgeschichte kann das BGB verzeichnen?

Das BGB wurde von Griechenland als Vorbild für das dortige Zivilrecht verwendet. Japan rezipierte bereits Ende des 19. Jahrhunderts eine der Entwurfsfassungen des BGB.

–             Von wem stammen die berühmten Worte „drei berichtigende Worte des Gesetzgebers machen ganze Bibliotheken zur Makulatur“?

Vom Staatsanwalt, Richter und Politiker Julius von Kirchmann.

Lektion 2 zum Gezielten Üben – Grundlagen erscheint hier in Kürze.


[1] Zur Wiederholung sei Ennuschat/Kresse/Prange, JA 1995, 47-50 und zur Vertiefung Frotscher/Pieroth, Verfassungsgeschichte, 8. Aufl. 2009 empfohlen.

[2] Zu der Geschichte des BGB genügt es sicherlich das Vorwort in der Beck-Texte Ausgabe BGB zu lesen. Einen ersten Überblick bietet Ennuschat/Kresse/Prange, JA 1995, 47, 50-53. Für einen tieferen Einblick sei auf die einschlägigen Lehrbücher verwiesen, z.B. Meder, Rechtsgeschichte; Wesel, Geschichte des Rechts.

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3 Kommentare zu “Gezieltes Üben – Mündliche Prüfung 1. Staatsexamen

  1. Nein, der 1. Entwurf hieß nicht „Motive“ (so hieß die Begründung – wie die Begründung jedes anderen Gesetzentwurfes auch), der 2. Entwurf hieß nicht „Protokolle“ (der Begriff bezieht sich auf die Protokolle der 2. Kommission) und v. Gierke war natürlich nicht Minister, sondern Professor (wie kann man nur auf die Idee kommen, ein Minister der Kaiserzeit hätte einen „Tropfen sozialistischen Öls“ gefordert??).

    Wie wäre es mit etwas Eigenrecherche, bevor Sie hier Ratschläge für Examenskandidaten geben???

  2. Vielen Dank für die Hinweise, das ist natürlich vollkommen richtig: Otto v. Gierke war als Rechtswissenschaftler bekannt. Nicht er, sondern sein Vater Julius Gierke (ebenfalls Jurist) war Minister.

  3. Pingback: stud. iur. Martin Malkus

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