Der Kopierer-Wahn

Hausarbeitenzeit – Kopiererzeit

von Matthias Böse (Uni Osnabrück)

Das scheint das Motto vieler Studierenden zu sein. Für viele beginnt der Tag nach der Sachverhaltsausgabe mit dem Gang zum Kopierer.

Kopierer

Wer nicht mindestens zwei Zeitschriften und Lehrbücher dem Vervielfältiger zur Verfügung stellt und womöglich keine Kopierkarte hat (sondern wegen der geringen Kopiermenge bar zahlt) wird verächtlich angeschaut. Pro Kopierkarte ein Punkt im Endergebnis.

Nein.

Ich behaupte, dass man nach kurzem Überfliegen der Texte feststellen wird, dass mindestens 90% der Kopien überflüssig waren (das tut jedoch nur im Geldbeutel weh).

Viel schwerer wiegt jedoch der Umstand, dass der heimatliche Papierstapel keine Möglichkeit gibt, nochmal schnell einer weiteren Quellenangabe oder einem Literaturhinweis im kopierten Dokument zu folgen. Denn: Nicht Herr Wessels hat die Frank’sche Formel erfunden, auch vertritt Herr Roxin nicht die Einzelaktstheorie.

Folgen dieses Vorgehens sind möglicherweise:

  • Blindzitate
  • Zitate von Sekundärliteratur, obwohl die Primärquellen verfügbar sind
  • Veraltete Literatur im Literaturverzeichnis
  • Mangelnde Vielfalt in den verwendeten Quellen (was nicht bedeutet, dass man seine Belesenheit im Literaturverzeichnis betonen soll!)

Daher mein Vorschlag:

  • Zu Hause: Grobes Erstellen einer Lösungsskizze, erstes Nachlesen von möglichen Meinungsstreits, auch in Skripten
  • In der Bibliothek: Beginn der Bearbeitung, dabei die Möglichkeiten einer Bibliothek nutzen und während des Schreibens Literatur suchen und verwerten

Zu Hause kann man sinnvoll die fertiggestellte Hausarbeit überarbeiten, falls man geeignete Arbeitsmittel zur Verfügung hat (Aktuelle Gesetzeskommentare, Zugriff auf Beck, Juris…) und so seine Arbeit noch etwas abrunden.

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11 Kommentare zu “Der Kopierer-Wahn

  1. Ita est. Leider habe ich das erst nach der dritten Hausarbeit oder so gemerkt.

    Was meint ihr dazu?

    Hat nicht aber Goethe schon in Zeiten in denen es noch keine Kopierer gab, erkannt: „Denn, was man schwarz auf weiß besitzt, Kann man getrost nach Hause tragen.“
    Oder war’s doch Mephisto der da sprach 😉

  2. ich bleib trotzdem lieber vervielfältiger ^^
    es ist gold wert, sich zuhause den text wort für wort nochmal durchlesen zu können, das wichtige anzustreichen, bei fußnotenmangel noch aus verschiedenen quellen was zusammenzusuchen, und nicht zuletzt auch mal um nach 17uhr was schaffen zu können, wenn die FB schon zu hat.

    kommt auch immer aufs thema an, in vielen fällen reicht es sicher und spart zeit, nur in der bibo zu lesen und rauszuschreiben.

  3. Nicht jeder wohnt vor Ort und muss nebenbei noch Arbeiten und sein Kind versorgen – den Luxus, täglich im Seminar zu sitzen kann ich mir nicht leisten 😉 Und da ich mit 8 Punkten zufrieden bin handhabe ich es erfolgreich so: 2mal die Woche ins Seminar, jeweils 4h, in der Zeit vor Ort lesen und was nicht klappt: Ab zum Kopierer und zu Hause weiter arbeiten.

    Lieber wäre mir ein Artikel zum Thema „Muss man wirklich 30 Quellen oder mehr im Literaturverzeichnis haben“. Diese Show mag ich nämlich wirklich nicht…

  4. @ Jens: Dinge wie „Arbeit“ oder „Kinder“ sind Ausnahmefälle, die es schwer ermöglichen, 12 Stunden am Tag in der Bibliothek zu sitzen, das kann ich nachvollziehen.

    @Maus: Manchmal muss man gründlicher Lesen, als man es mit dem blinkenden Cursor vor der Nase in der Bibo kann, möchte man doch gerade nur den letzten Satz vervollständigen. Auch ich besitze eine Kopierkarte und habe mir z.B. hilfreiche Prüfungsschemata aus der JA kopiert, da man sie immer wieder benötigt. Aber viele Studenten übertreiben es mit dem Kopieren.

  5. Bei uns gabs immer Ärger mit dem Bibliothekspersonal (und ich finde zu Recht), wenn Experten Bücher o.ä. einseitig kopieren und den Deckel nicht zumachen oder es nicht schaffen, eine entsprechende Verkleinerung einzustellen, dass zwei Seiten auf ein Blatt passen (wenn das natürlich sinnvoll ist – es muss keiner seine Kopien unter dem Mikroskop lesen). Raus kommt nämlich ein dicker schwarzer Rand oder eine halbe schwarze Seite, und die Bib-Angestellten kommen mit dem Toner-Nachfüllen kaum hinterher…

    Viel Erfolg übrigens mit den lästigen Hausarbeiten, ich habs zum Glück lange hinter mir.

  6. manche wären froh, diese art von „stress“ zu haben….meine erlebnisse in southafrica machen mich da sehr gelassen 🙂 grüßle Jen

  7. Ich habe für meine aktuelle Strafrechthausarbeit (kleiner Schein) nicht eine einzige Kopie verwendet. Alles im Seminar bearbeitet und zitierwürdige Passagen abgeschrieben & halt in der Ha als Fussnote verarbeitet.

  8. In meinem kleinen BGB-Schein ging es um Leasing-Recht. Bei solchen ganz neuen Themen kommt man wohl um die Kopiererei nicht herum.
    Die meisten Hausarbeiten habe ich jedoch ganz ohne Kopieren geschrieben. Stattdessen leihe ich mir lieber Lehrbücher aus. Das ist zwar ne fiese Schlepperei immer, aber man hat doch mehr davon.
    Ich finde, es spart unheimlich viel Zeit, das Gutachten in der Bibliothek schon ins Reine zu schreiben. Denn wenn man dort nur rausschreibt oder kopiert, hat man ja daheim dieselbe Arbeit nochmal.
    Ich will jetzt nicht gehässig sein, aber wieso braucht ihr dafür 12 Stunden täglich??? Viele sind darauf angewiesen, neben dem Studium zu arbeiten. Das sollte doch wohl nicht die Ausnahme sein, oder?!

  9. Ich habe immer viel kopiert. Daheim kann ich besser arbeiten mit Musik, Cola und so 😉 Außerdem kommt es ja mal immer wieder vor, das irgend ein *’s#h Bücher versteckt, Seiten rausreißt etc.

  10. bin zwar nich in marburg.. aber dies gilt auch dort: nicht jeder hat einen mobilen Rechner.. (und zumindest hier bei uns werden Hausarbeiten nur nicht mehr in Handschrift angenommen.. diie anfroderungen zielen vielmehr klar in richtung am pc erstellt und anschließend ausgedruckt.
    denoch auch da gilt…
    deshalg mach ich es so: (und kan nes nur empfehlen) wie beschrieben die Skizze machen. HAt man ein Lehrbuch kann man dort oft schon mal erste Einstiegspunkte für die Problemstellen recherchieren.
    In der Bibliothek dann ist erstmal lesen angesagt. Und dann schreiben. Jawohl, von hand.. alles „zitierwürdige“ und was sonst noch wichtig ist. Zuhause am PC macht ihr dann eine Hausarbeit draus.
    Mag mehr zeit in anspruch nehmen als die kopiermethode.. bringt aber das bessere ergebnis..
    ich möchte aber zugeben das es umstände geben mag wo die kopiermethode doe einzig gangbare ist.. dann sei man sich aber der folgeprobleme bewusst. und man sei eisern.. alle Probleme auf die man stößt aufschreiben, inkl der fraglichen Primärliteratur.Und dann wieder zur Bib..
    Überings.. vorher zumindest reingeschaut zu haben spart eine menge der überflüssigen kopien. Das Geld kann man dann ja für ein Notebook sparen.. die Einstiegsmodelle sind heute recht günstig zu haben..
    Abschließend sei gesagt das man hier in Bielefeld selbst kopiert.. und mit kopierkarte oder mensa-Karte bezahlen kann…

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