Über den Nutzen des Schwerpunktbereichs

So, die Schwerpunktbereichs-Klausuren sind seit gestern rund. D.h. Zeit genug sich nach den doch gar nicht so schlimmen Klausuren nach dem Sinn des Schwerpunktbereichs zu fragen.

Der Post bezieht sich auf den Kommentar von Mat (vgl. https://malkus.wordpress.com/2007/02/02/schwerpunktbereich)

1. Ungleiche Bedingungen müssen nicht gleich „Unfairness“ sein. Schließlich kann es auch ein Vorteil sein eine große Anzahl von Klausuren zu schreiben. Dann wiegt die einzelne, die man möglicherweise in den Sand gesetzt hat, nicht so schwer.

2. Der Schwerpunkt und die Examensvorbereitung

Der Schwerpunkt sollte nicht große Hürde auf dem Weg zum Examen gesehen werden, die möglichst schnell überwunden werden muss. Ein vernünftiger Schwerpunktbereich enthält neben

(i) speziellen Fächern, die einem für das Examen (nur) die Fähigkeit sich in unbekannten Materien schnell einzuarbeiten und zurecht zufinden und die das Gesamtverständnis stärken. Sind etwa Kartell- und Markenrecht für das Examen unmittelbar von keinerlei Interesse, so basieren auch sie auf den allgemeinen Prinzipien des Zivilrechts und können das Verständnis für Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche aber auch für das Prozessrecht durchaus stärken.

(ii) Vertiefungsveranstaltungen
Ein wahrer Gewinn, statt eine Hürde, stellen aber die Vertiefungsveranstaltungen dar. Der positive Effekt für die Examensklausur ist bei Vertiefung im Familien- und Erbrecht, Mietrecht, Arbeitsrecht oder ZPO immanent und oft noch wesentlich effektiver als eine eigene Examensvorbereitung. Ich bin wohl nicht der Einzige, der nur dann wenn es wirklich um Punkte geht, intensiv lernt. Die zahlreichen Abschlussklausuren stellen somit schon wichtige Stufen auf dem Weg zum Examen dar.

Aber auch Veranstaltungen die auf den ersten Blick wie Spezialveranstaltungen klingen entpuppen sich schnell als Fächer zur Examensvorbereitung:
– So sollte Insolvenzrecht dem Repititorium des Sachenrechts und der ungeliebten Kreditsicherheiten dienen, aber auch der Wiederholung von nur schwer zugänglichen Themen wie Abtretung und Aufrechnung muss auf einmal nachgegangen werden.
– Die Wahrscheinlichkeit, dass GmbH-Recht in der 3. Klausur tatsächlich abgefragt wird ist eher gering. Aber auch das Verständnis für die Personengesellschaften und das gesamte Gesellschaftsrecht wird gestärkt.
– Was „Medienrecht“ heißt entpuppt sich als eine intensive Vertiefung des Art. 5 GG und der Technik der Grundrechtsprüfung.

Fazit: Nutze den Schwerpunkt als Unterstützung parallel zur Examensvorbereitung statt ihn als Übel zu sehen, dass schnell überwunden werden muss und du wirst auch dann die allgemeinen Klausuren meistern können, wenn „unverständlicherweise“ nicht vertiefte Kenntnisse im Medizin- und Pharmarecht oder dem SGB III abgefragt werden.

Ergänzung:

Während meines Praktikums habe ich viele Studenten anderer Unis getroffen, die mir von ihrem Schwerpunktbereich berichtet haben.Diese können einen Mangel an Vergleichbarkeit allerdings nicht bestätigen. Ob Marburg, Münster, Heidelberg, Trier oder Freiburg. An fast allen Unis schreibt man 6 oder 7 Klausuren, bei fast allen ist der Schwerpunkt auf ca. drei Semester angelegt.

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10 Kommentare zu “Über den Nutzen des Schwerpunktbereichs

  1. Ich bin mit dem, was Martin schreibt, nicht ganz einverstanden. Der Schwerpunkt ist in der jetzigen Form in Marburg nicht haltbar! Sieben Klausuren sind einfach zu viel und führen unweigerlich zu einer Verlängerung des Studiums. Ich habe den Eindruck, dass viele meiner Kommilitonen sehr viel Energie für den Schwerpunkt aufwenden, dabei aber vergessen, dass das eigentliche Examen, d.h. die sechs Klausuren in den Pflichtfächern, die viel schwierigere und viel wichtigere Herausforderung ist. Viele Studenten schreiben sogar viele Klausuren „auf Probe“, weil sie fürchten, eine schlechte Klausur können sie „reinreiten“. Wie Martin aber richtig schreibt, ist diese Gefahr bei sieben Klausuren aber relativ gut kalkulierbar. Dass man sieben Klausuren geschrieben hat, nützt einem auch auf dem Arbeitsmarkt später überhaupt nicht, wenn man nicht in den Pflichtfachklausuren entsprechende Leistungen erbracht hat. Denn für den Arbeitgeber ist der Schwerpunkt mangels Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Fakultäten fast ohne Relevanz.
    Was Martins Argumentation angeht, man könne mit Hilfe des Schwerpunkts für das Examen lernen, muss ich ihm teilweise widersprechen. Dies trifft im wesentlichen doch nur auf den Schwerpunkt „Recht der Privatperson“ zu, da ja dort die Pflichfächer vertieft werden. Wenn man aber beispielsweise den Schwerpunkt „Völker- und Europarecht“ wählt, hat man allenfalls dann einen Gewinn für das Examen, wenn man das Wahlmodul Europarecht wählt, da Europarecht ja auch zum Teil Pflichtfach ist. Wählt man allerdings das Wahlmodul Völkerrecht, lässt sich Martins Argumentation nicht aufrecht erhalten. Es wäre zwar sicherlich sinnvoll, im Studium verstärkt Abschlussklausuren zur Leistungskontrolle während des Studiums einzusetzen – aber dann bitteschön in den Pflichtfächern. Meines Erachtens könnte man hier die Zwischenprüfung entsprechend anpassen, zumal es nicht einzusehen ist, dass wir immer noch sechs Hausarbeiten während des Studiums schreiben, obwohl wir kein Hausarbeitenexamen mehr haben. Deswegen sollte die Zwischenprüfung entsprechend angepasst werden. In diesem Zusammenhang sollte auch die Schwerpunktbereichsprüfungsordnung geändert werden. Man könnte die Prüfungsleistungen bspw. auf eine Klausur, eine Seminararbeit und meinetwegen eine mündliche Prüfung reduzieren. Die jetzige Form mit ihren übertriebenen Anforderungen ist jedenfalls studienzeitverlängernd!

  2. Tztz Martin. 😉 Wie ich sehe hast du versucht meine Argumentation zu widerlegen. Was dir leider nicht gelungen ist. 😉 Ich darf daher noch einmal auf meinen Commet hinweisen https://malkus.wordpress.com/2007/02/02/schwerpunktbereich/#comments.

    Ich stimme den Ausführungen von Cord weitestgehend zu. Auch er erwähnt, dass in MR nur der Spb „Recht der Privatperson“ für Examensvorbereitung tauglich ist.
    Wenn Martin meint InsO und Gmbh.R brächten viel, so kann ich ihm nur teilweise zu stimmen. Bietet man ein gutes Uni-Rep für Gesellschaftsrecht oder Kreditsicherungsrecht mit einer -nicht zählenden- Übungsklausur an, so wäre der Gewinn wahrscheinlich größer.

    Wenn ungleiche Bedingungen keine Unfairness sein sollen, wie Martin meint, was sollen sie dann sein?? Ein Gewinn??? Wohl kaum..
    Die lässt sich auch folgende Überlegung stützen.
    –>Ich darf darauf hinweisen, dass manche Arbeitgeber nicht über die Einzelheiten des Jurastudiums Bescheid wissen. Ihnen ist wohl bekannt, dass es gut ist wenn man ein Prädikat hat, was mit dem Spb bzw genauer gesagt mit den Anforderungen an dem Spb auf sich hat werden sie kaum wissen. Sie gucken wahrscheinlich nur auf die Note. Der Spb zählt bekanntlich 30 %. Das ist nicht unerheblich. Wenn man dann noch bedenkt dass ungleichen Anforderungen an den Spb an den verschiedenen Unis bestehen, dann ist es schon unfair!! Positives kann ich hieran nicht sehen!

    Gegen mein Argument, dass die Spezialisierung erst nach den Examina erfolgen sollte, ist Martin nicht eingegangen.. Somit muss festgestellt, werden, dass ein Beginn der Spezialisierung zu einen relativ frühen Zeitpumkt des Studiums nicht optimal ist. Das denkbare Argument, man kann ja den Spb in MR nach den ersten Staatsexamen beginnen, vermag nicht zu überzeugen, da es so zu einer unerträglichen Studienverlängerung kommt.. Das Jurastudium gehört eh schon nicht gerade zu den kürzesten, da wäre es wahrscheinlich höchst unklug, sehr spät mit dem Spb anzufangen.

    Eine Reform der Zwischenprüfung wie Cord sie sich vorstellt ist denkbar, zumindest sollte mal drüber diskutiert werden. Ob das Durchführen von 6 HA bei der jetzt geltenden Examensordnung noch geboten ist, ist in der Tat zweifelhaft.

    Das Argument von Cord, dass viele Leute die Spb- Klausuren auf Probe schreiben, damit diese sie nicht in reinreiten, kann ich vollkommen nachvollziehen, da ich selbst schon ein paar Klausuren auf Probe geschrieben habe. Auffällig war auch, dass man sich von den Professoren sehr unterschiedlich auf die Klausuren vorbereitet fühlt bzw. vorbereitet wird.

    Ich verstehe auch nicht, dass wenn man schon 7 Klausuren schreibt, noch eine Seminararbeit schreiben muss. Vielleicht sollte man denen eine Seminarbeit anbieten, die eine nicht ganz gelungene Klausur ausgleichen möchten.

    Eine Spb-Prüfung wie Cord sie sich vorstellt, würde ich begrüßen.

    Hinweisen möchte ich hier auch noch mal darauf, dass im Spb „Recht der Privatperson“ manche Pflichtveranstaltungen nur alle 4 Semester angeboten werden. Wenn das nicht studienverlängernd ist, ja dann weiß ich auch nicht….

  3. Auch zum Thema „Spezialisierung im Studium“ kann ich nur auf meine momentanen Erfahrungen im Praktikum in der Großkanzlei verweisen:
    Hier bekommt man es zu tun mit:
    – Share Holder Agreements und sale & purchase agreements. Diese lassen sich ohne Grundkenntnisse im GmbH – Recht nicht verstehen.
    – juristischen Recherchen zu speziellen kartellrechtlichen Problemen, die mit sich nach Besuch der Vorlesung zum Thema bedeutend leichter lösen lassen.
    – usw.
    Auf diese Weise kann man dank frühzeitiger Spezialisierung im Referendariat schon richtig mit anpacken, statt noch an den Händen gehalten zu werden.

  4. zu deiner sogenannten Ergänzung: Wie in einem anderen Thread auf deiner Seite, ja ich glaube auf dem Thread wo ebenfalls eine Diskussion über den Spb gehalten wurde, haben einige gesagt wie es bei denen abläuft, und da lief es schon anders ab als bei uns. Unfairness besteht also. Bei uns is der Spb auf 4 Semester angelegt, nicht auf drei. Anscheinend werden an anderen Unis neben diesen 7 Klausuren aber keine Seminararbeiten erforderlich, In FFm geht man einen anderen Weg dort soll es wohl so sein, dass man 6 Seminare machen muss, wobei die Prüfungsform jeweils unterschiedlich ist.
    Man bedenke, dass es wohl in Köln (ich glaube es war Köln) so ist, dass nach der Zwischenprüfung nur noch der Spb gemacht werden muss und keine großen Scheine mehr. Ich halte das Durchführen der großen Übungen für wichtiger als ein Spb.

    Diese Grundkenntnisse beim Gmbh-Recht, kannst du auch bei einer guten VL und im Rep erlernen und dazu brauchst du kein Spb, wo du in einer Klausur -die zählt- ausgesetzt wirst. Das Problem besteht bei diesen Spb-Klausuren, dass manche Profs sehr gut vorbereiten andere hingegen nicht…

    In der Regel werden diese Spb- zumindest in MR- zu einer Studienverlängerung führen. Sie werden die Leute vom eigentlichen Pflichtstoff ablenken. Dazu verweise ich auf den Comment in den anderen Thread. Auch Cord sagt sinngemäß das Gleiche.

  5. Mat, du hast Recht.
    Seltsam, dass alle Praktikanten hier in der Großkanzlei aus Unis kommen, die einen enormen Schwerpunktbereich haben.

    Vgl. den aktuellen Aufsatz in der JuS 04/2007 von Rolfs/Rossi-Wilberg, S. 299:
    „Fast alle Universitäten lassen die Prüflinge eine große, zumeist fünfstündige Klausur absolvieren, nur wenige verlangen mehr als zwei. Allein Freiburg i.Br., Frankfurt a.M., Marburg, Bonn und Münster fallen mit fünf, sechs oder sogar sieben Abschlussklausuren aus dem Rahmen.“

    vgl. dort auch den tabellarischen Überblick zu allen Schwerpunktbereichsfächern an deutschen Unis.

  6. Mat hat recht. Der Spb in Marburg ist nicht gut. Aber vielleicht liegt das einfach daran, dass sich die Marburger Professoren auch keine richtige Mühe in der Umsetzung der Gesetzgebervorlagen geben.

  7. Zur JuS 04/2007 von Rolfs/Rossi-Wilberg, S. 297ff:
    Da is ja ne Übersicht von allen Spben bundesweit. Da kann man sehn, dass der Spb hier schon zeitaufwendig ist. Ne Reduzierung der Klausurenanzahl wäre gut. Wenn man 4 Klausuren schreiben müsste wär das auch genug. Vlt wäre es sinnvoll-wie ich bereits geschrieben habe- die Pflichtfächeranzahl zu reduzieren, da manche Pflichtfächer alle 4 Semester angeboten werden.(–> Verlängerung des Studiums). 5 von 7 Klausuren kann man nicht wählen.
    In Gießen nur eine Seminarbeit und mündliche Prüfung. Das ist ja ein Witz!!

    Mal ne Frage: Was is eigentlich wenn man sich zum Spb angemeldet hat und dann merkt:“ Ey der Spb ist doch nix“, kann man dann einfach an ne andere Uni wechseln und dann da sagen, nee möchte net dass die Prüfungsleistungen anerkannt werden??? Also quasi das man da einen Neuanfang macht?? Ich mein‘, das wird wohl keiner machen, aber ginge das? Was meint ihr? (Als Jurist sucht man ja nach der Regelungslücke *g*)

  8. Pingback: SCHWERpunktbereich? « stud. iur. Martin Malkus

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